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Comic – Eine Definition

Comic – Eine Definition

Was genau ist es eigentlich, was das Medium Comic auszeichnet? Um ein besseres Verständnis für diese aufstrebende Kunstform zu gewährleisten, fasse ich in diesem Beitrag wesentliche Aspekte zusammen.

In seinem Comic über Comics kommt Scott McCloud zu folgender Definition: Comics sind demnach „[z]u räumlichen Sequenzen angeordnete, bildliche oder andere Zeichen, die Informationen vermitteln und/oder eine ästhetische Wirkung beim Betrachter erzeugen sollen.

Der Begriff „Sequenzielle Kunst“ stammt von Will Eisner (1917-2005), einem US-amerikanischer Zeichner. Er bedeutet, dass ein Comic immer aus einer Reihe von Bildern, den so genannten Panels oder Frames, besteht. Ein einzelnes Bild, in comichaftem Stil gestaltet, wird als Cartoon bezeichnet. Ein Comic besteht also mindestens aus zwei Panels. Eisner führte übrigens auch den Begriff „Graphic Novel“ (illustrierter Roman) ein. Er wirkte stilbildend für viele Generationen von Comic-Künstlern und hatte maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung von Comics innerhalb des 20. Jahrhunderts. Mit seinem Buch “Mit Bildern erzählen – Comics und sequentielle Kunst” gehört er zu den ersten, die diesem Medium eine erhöhte Aufmerksamkeit schenkten und ihm einer kritischen Betrachtung unterzogen.

Der Begriff „Kunst“ ist McCloud jedoch zu allgemein und nicht wertfrei genug. Er ist darüber hinaus bestrebt, seine Definition nicht zu eng zu fassen und berücksichtigt auf diese Weise die Freiheit im Einsatz künstlerischer Mittel. Er bezieht weiter ein, dass es sich um ein visuelles Medium handelt, da er den Comic aber von der Animation unterschieden wissen will, formuliert er nun: „Zu räumlichen Sequenzen angeordnete, nichtbewegte Zeichen.“ (An dieser Stelle lässt sich bemerken, dass die „nichtbewegten Zeichen“ den „bewegten Bildern“ des Films gegenüberstehen.)

Aber auch diese Variante genügt ihm noch nicht, da hier genauso gut Buchstaben, die zu Wörtern zusammengesetzt sind, gemeint sein könnten. Daher präzisiert er die Formulierung wieder: „Zu räumlichen Sequenzen angeordnete, bildliche oder andere Zeichen.“ und fügt noch ein paar Worte zur unterschiedlichen Funktion der Zeichen hinzu: „[…] die Informationen vermitteln und/oder eine ästhetische Wirkung beim Betrachter erzeugen sollen.

 Die Welt des Comics ist eine Welt geschlossener ikonischer Zeichensysteme mit der Tendenz zur Übertreibung und Idealisierung.

Simon Ofenloch in Anlehnung an Bernd Weidenmann

Somit sieht Ofenloch eine Exaltiertheit, also eine künstliche Übersteigerung/Intensivierung, als charakteristisch für das Medium Comic an. „Diese Intensivierung betrifft sämtliche Bereiche und sämtliche Bedeutungsebenen.“ So sei z.B. das Prinzip der übertriebenen Objektmerkmale („Kindchenschema“, Muskeln, Busen etc. bei Menschendarstellungen; Größe, High-Tech-Appeal bei technischen Objekten; Wassermassen, Steilheit von Schluchten etc. bei Naturereignissen und Horrorattribute etc. bei Fantasy-Figuren) Teil der Darstellungscodes im Comic.

Nach Ofenloch ist für den Comic des Weiteren die Verwendung visueller Stereotypen charakteristisch, die die Einordnung einer in einer Handlung stehenden Figur erleichtern soll. Dazu gehören eindeutige Setzungen in ,gut‘ oder ,böse‘ der Helden und Gegenspieler. Stereotypisierung bezieht sich aber auch auf die Darstellung von Objekten, was ebenfalls eine schnelle Erkennung gewährleisten soll.

Weiterführende Literatur:

Eisner, Will: Mit Bildern erzählen – Comics und sequentielle Kunst. Wimmelbach: Comic Press Verlag 1994 (leider vergriffen, nur noch gebraucht erhältlich)

McCloud, Scott: Comics richtig lesen. Hamburg: Carlsen Verlag (2. Auflg.) 1995 [1993]

Ofenloch, Simon: Mit der Kamera gezeichnet. Zur Ästhetik realer Comicverfilmungen. Saarbrücken: Akademiker Verlag 2012

Schüwer, Martin: Wie Comics erzählen. Grundriss einer intermedialen Erzähltheorie der grafischen Literatur. Trier: Wissenschaftlicher Verlag 2008

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